"A Leich" mit Aussicht

Der ZDF-Dauerbrenner "Die Rosenheim-Cops" läuft am Dienstag, 20. Februar, zum 400. Mal - eine unendliche Erfolgsgeschichte?

Zahlen regieren die Welt. Auch im beschaulichen Chiemgau: 400-mal "Die Rosenheim-Cops" - das sind, wie die PR-Leute anlässlich des anstehenden Jubiläums wissen lassen, "mindestens vierhundert Leichen und vierhundert Mörder in siebzehntausendzweihundert Minuten". Wieder was gelernt. Aber wichtiger ist: Jeder kennt "Die Rosenheim-Cops"! Die im Januar 2002 erstmals ausgestrahlte Kultserie mag von manchen belächelt werden, doch das halten die Macher aus. Denn ihr Krimi ist schon seit Jahren das, was andere TV-Formate gerne wären: eine echte Marke. Wie bei jeder Marke besteht auch für die Verantwortlichen der gemütlichen Oberbayern-Geschichten die wesentliche Herausforderung darin, sie fürsorglich zu behandeln: sie zu pflegen und hin und wieder anzupassen, ohne ihren Kern anzukratzen. Was leichter klingt, als es ist.

Bislang gelang der Spagat. Zuletzt gab es zwar immer wieder Umbaumaßnahmen und neues Personal, doch der ZDF-Dauerbrenner mit der kongenialen Titelblasmusik von Haindling, die jedes Kind und jede Oma mitpfeifen kann, fährt weiterhin gute Quoten ein - aktuell schauen regelmäßig zwischen 4,5 und fünf Millionen zu. "Die Rosenheim-Cops" erfreuen sich auch in der 22 Folgen umfassenden 17. Staffel einer treuen Fangemeinde. "Diese Serie ist erfolgreicher als die Polizei erlaubt", schreibt die "Bild". Die Frage ist: Wie viel Austausch, wie viele neue Gesichter verträgt so ein Format, das sicherlich auch von seiner nostalgischen Aura lebt, noch? Dass sich manche Fans in den Online-Foren schon zuraunen, dass ihnen die älteren Wiederholungen besser gefallen als die neuen Folgen, sollte den Machern zu denken geben.

Zum Jubiläum (am Dienstag, 20. Februar, 19.35 Uhr - wegen der "Champions League"-Vorberichterstattung leicht verspätet) gibt es wieder mal einen neuen Ermittler: Der 400. Fall (Titel: "Da fehlt etwas") ist der erste für Hauptkommissar Christian Bach. Der Neue, der, wie es die Storyline will, vom Rosenheimer "Betrugsdezernat" aushilfsweise zur Mordkommission wechselt und nun in seiner Premiere gemeinsam mit Anton Stadler (Dieter Fischer) einen Mörder dingfest machen soll, wird gespielt vom Berliner Patrick Kalupa (38, "In aller Freundschaft"). Als Stadler im Laufe der Folge gefragt wird, wie er sich denn so mache, der Neue, antwortet der angestammte Kollege nur: "Da ka'ma eigentlich nix sagn!" Ob das der eingefleischte Fan auch so gelassen nimmt, muss sich zeigen. Bach entpuppt sich als ziemlich brillanter Beobachter und Analyst - und auf dem ersten Blick als ein etwas farbloser Kommissar, wie er schon in so manchem deutschen Krimiformat umgeht.


Zum Selbstverständnis von Vorabendserien wie "Die Rosenheim-Cops" oder auch des ARD-Pendants "Hubert und Staller" (seit 2011 im Programm) gehört es allerdings, dass man genau das nicht sein will: ein TV-Krimi wie andere. Das Erfolgsrezept dieser Regiokrimis hat weniger mit Spannung zu tun als vielmehr mit einem Gefühl von Vertrautheit und einer gewissen Nahbarkeit der Hauptcharaktere - vom heimeligen Flair und der in ganz Deutschland geschätzten Kulisse des Voralpenlandes einmal abgesehen. Es menschelt, und das Publikum kennt und mag seine Pappenheimer und Sympathieträger. Figuren à la Miriam "Es gabat a Leich" Stockl (Marisa Burger), Michi Mohr (Max Müller) und Korbinian Hofer (Joseph Hannesschläger) sind für viele fast so etwas wie alte Bekannte - man sieht sich ja regelmäßig: immer dienstags, 19.25 Uhr. Es ist die feste Verabredung zum Mord mit Aussicht.


Auch wenn Kritiker beim Paradoxon Wohlfühl-Krimi gerne pauschal den Daumen senken: So eine Marke aufzubauen und am Leben zu erhalten, ist gewiss eine Kunst für sich. Und es ist eine mühsame, hochsensible Angelegenheit, den Kredit, den man sich beim Publikum erworben hat, nicht irgendwann wieder zu verspielen. Vor allen Dingen braucht es viel Liebe: zu den Figuren, aber auch zur Region, in der die Geschichten angesiedelt sind, und den Menschen, die dort leben. "Die Rosenheim-Cops" haben gerade in dieser Hinsicht Vorbildcharakter und die Verankerung im Umfeld genauso ernst genommen, wie einst etwa auch "Der Bulle von Tölz" (1995-2009) mit Otti Fischer. Zahlreiche lokale Auszeichungen gab es schon, und die Stadttour "Auf den Spuren der Rosenheim-Cops" erfreut sich großer Beliebtheit ("Hubert & Staller" hatten es im Fünfseen-Land sogar schon mal zu einer eigenen Radtour gebracht).


Die Produktion der Bavaria Fiction läuft zwar unter "Krimi", aber der Schauspieler Max Müller, der seit 2002 als beflissener Beamter Michi Mohr bei den "Cops" mitmischt, meint schon ganz treffend: "Der Krimi ist im Grunde wurscht. Ein Mord muss seriös erzählt werden, aber es geht bei uns doch viel mehr um das Zwischenmenschliche - immer mit einem Augenzwinkern, siehe Michi Mohr." Als weitere Erfolgsfaktoren macht Müller "die schöne Landschaft, die bayerische Lebensart, wunderbare Schauspieler und Regisseure, die dieses Stück Vorabendunterhaltung sehr ernstnehmen", aus. Und: "Wir müssen auch über den Begriff 'Heimat' reden: Wir geben allen, die das wollen, etwas Verlässliches, ein Stück Zuhause, ein wenig Identität."


Müllers Kollege Joseph Hannesschläger, für die meisten Fans der "Rosenheim-Cop" schlechthin, der im Jubiläumsfall jedoch gar nicht mitmischt, sieht ein "ähnliches Muster wie bei der volkstümlichen Schlagermusik, die ja sehr erfolgreich ist": Viele Leute, so der bayerische Schauspieler, "wollen sich in ihrer Freizeit gerne mit Dingen beschäftigen, die sie kennen, die keine bösen Überraschungen in sich bergen, bei denen alles seinen gewohnten Gang geht: einfach etwas Verlässliches mit einem gewissen Wohlfühlfaktor." Stockl-Star Marisa Burger ergänzt, dass es "am Ende wohl die Menschlichkeit" sei, "die unsere Serie ausstrahlt, die die Herzen erreicht. Und natürlich die schöne Landschaft".


Alles wahr. Und natürlich ist auch diesmal, in der Jubiläumsepisode, die Krimihandlung "wurscht". Einmal mehr gibt es Krimi-light, serviert mit einem Augenzwinkern: Ein schwerreicher Rosenheimer wurde vergiftet. Der Herr zeichnete sich zeit seines Lebens durch einen übermäßigen Geiz aus und durch die Unart, mit immer neuen Testamentsentwürfen um sich geschmissen zu haben. Wer gerade in seiner Gunst stand, wurde bedacht, wer nicht spurte, wurde enterbt ... - So schafft man es, dass die anderen nach seiner Pfeife tanzen. Nach Rechtslage, so erklärt Alleskönner Michi die Brisanz des Falls, ist immer das letzte Testament, also das mit dem aktuellsten Datum, das gültige. Und dann folgt, was man so kennt von Krimis dieser Bauklasse: Verhöre und Begegnungen mit diversen Verdächtigen, die allesamt ein kleines bisschen skurril gezeichnet sind. So weit, so egal. Dass es diesmal nur wenige Außenszenen gibt und auch sonst vom oberbayerischen Regionalkolorit herzlich wenig zu spüren ist, macht das Ganze nicht zugänglicher.


Wenigstens etwas Amüsement bieten die unvermeidlichen Kabbeleien auf dem Revier. Frau Stockl hebt diesmal zum Zickenkrieg mit der jungen Pathologin Sandra Mai (Sina Wilke) an. Doch Polizeichef Gert Achtziger (Alexander Duda) liest der mal wieder etwas stutenbissigen Sekretärin natürlich alsbald die Leviten. "Es gibt schon bei Shakespeare und in jeder großen Oper diese 'Bufforollen", lacht Stockl-Darstellerin Marisa Burger: "kleinere Rollen, die für die Komik zuständig sind. Die Clownagen gehören zu jeder guten Dramaturgie, so etwas mögen die Leute einfach. Dass sich die Nebenrollen so durchziehen bei uns, dass sie so groß werden konnten und sie so beliebt sind, ist natürlich für uns als Schauspieler eine tolle Bestätigung."


Recht hat sie - ein Hoch auf die gepflegte Nebenrolle, die bei den "Rosenheim-Cops" immer noch weitaus liebevoller zelebriert wird als in den meisten anderen Serien. Und spätestens wenn Marie Hofer (Karin Thaler) ihrem Untermieter auf Zeit, Hauptkommissar Stadler, im feschen Dirndl auf der Panoramaterrasse des idyllischen Hofer-Anwesens Kassler mit Sauerkraut und selbstgemachtem Kartoffelpüree nebst Weißbier kredenzt, weiß man sowieso: Es ist noch alles gut bei den "Cops". Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum - aber bitte immer schön an den Markenkern denken und nicht austauschbar werden!


Frank Rauscher
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